Ein Tag mit GAIA

Wie das Leben mit GAIA aussehen könnte

„Morgens stehe ich auf und plane meinen Tag. Was muß ich heute erledigen? Was für Besorgungen will ich heute machen, wen will ich treffen, mit wem habe ich etwas zu besprechen? Wie ist mein Kontostand? In Euro? Und der in GAIA? Im Bioladen kann ich mit GAIA bezahlen. Nachher bezahle ich auch noch den Klavierunterricht meiner Tochter in GAIA. Habe ich noch genug Guthaben? Zur Not kann ich natürlich auch Euro nehmen, aber die wollte ich mir eigentlich aufbewahren für die Produkte, die ich noch nicht in GAIA bezahlen kann. Wie die neuen Stoßdämpfer für mein Auto. Reicht dafür mein Euro-Guthaben? Ja, aber das Eurobudget ist schon knapp. Und es wird ja immer knapper. Irgendwie wird alles teurer und mein Verdienst steigt nicht.

 

Naja. Es gibt ja GAIA. Ok, los geht’s. Zuerst zum Bioladen, oder ach nein, fahre ich doch schnell noch beim Edeka vorbei, da kann ich noch schnell die Lieblingspizza meiner Tochter einkaufen, die sie sich für heute gewünscht hat. Und die gibt es nicht im Bioladen. Und beim Edeka kann ich immerhin 30% der Kaufsumme in gaia zahlen. Das finde ich toll. dass das jetzt möglich ist. Hat ja aber auch lang gedauert, bis immer mehr Menschen GAIA angenommen haben. Und bei Edeka ist es auch nur möglich, weil sie jetzt einen Teil der Gehälter in GAIA bezahlen. Dafür bekommen die Angestellten jetzt aber auch etwas mehr. Beim Bioladen werden die Teilzeitkräfte, habe ich gehört, komplett in GAIA gezahlt. Ob ich das könnte ? Naja, die werden noch woanders her Euro bekommen.

 

Witzig diese neuen Kassen mit den zwei verschiedenen Schubladen. Für jede Währung eine. Aber klappt ja ganz gut. So viel anders wird es früher in grenznahen Städten auch nicht zugegangen sein. Und in der Schweiz oder in England kann ich ja auch immer mehr in Euro und Franken oder Pfund bezahlen. Wie die das wohl gelöst haben? Aber ich brauche das alles ja gar nicht, ich habe ja meine EC-Karte mit beiden Konten: GAIA und Euro. Und auf dem Kassenbon ist alles ganz übersichtlich aufgeführt. Und der Tageswechselkurs steht da auch drauf. Schon gut, dass es die Elektronik gibt.

Ok, jetzt aber schnell zum Bioladen und dann nach Hause in meine Praxis. In meiner eigenen Praxis als Heilpraktikerin kommen heute Nachmittag zwei Patienten. Der eine hat noch nie was von GAIA gehört. Er wird wohl in Euro zahlen. Er sagte aber, dass er sich häufigere Euro-Besuche nicht leisten kann. Hab ich noch Infomaterial zu gaia, das ich ihm mitgeben kann? Mal schauen, auf wieviel Patienten ich noch aufstocken kann. Immerhin darf ich meinen Halbtags-Eurojob in der Arztpraxis als Arzthelferin nicht zu sehr vernachlässigen. Denn Euros brauche ich immer noch. Blöde Stoßdämpfer! Warum kann sich GAIA denn nicht schneller ausbreiten? In meiner Heilpraktikerpraxis behandele ich meine Patienten so, wie es ich es für richtig halte. Bei meiner Arbeitsstelle in der Arztpraxis nervt mich einfach, dass ständig alles so behandelt wird, als würde es sich um einen Notfall handeln. Schnell mit der chemischen Bombe drauf, als ob die Welt daran zugrunde gehen würde, wenn man sich einmal eine paar Tage ins Bett legt. Das hat doch alles seinen Sinn. Naja, deren Problem. Ich habe glücklicherweise von der GAIA-Bank das GAIA-Geld zur Verfügung gestellt bekommen, meine Praxis einzurichten. Zwar ging es auch da für technische Geräte nicht ganz ohne Euro, die hatte ich noch, aber einen Großteil konnte ich in GAIA zahlen, weil die Inhaber der Geschäfte bei GAIA Mitglied waren und für meine Praxis im Mitgliederrat gestimmt haben, weil eine Heilpraktikerin im Dorf ihnen fehlte. Und da ich mich bereit erklärt habe, dass sie bei mir in GAIA zahlen können, konnte ich bei Ihnen in GAIA einkaufen. Klar, dass ich das auch gemacht habe, denn woanders hätte ich ja in Euro zahlen müssen, die ich nicht habe. Und sie hätten mir nichts verkauft und hätten sich nicht meine Dienste sich leisten können. Naja, so ist halt allen gedient. Gut, dass es GAIA gibt.

 

Das einzige, was mich wirklich nervt, ist die Sache mit den Steuern. Bei uns in der Region will das Finanzamt, dass die Steuern, unabhängig davon ob die Einnahmen aus GAIA-Umsätzen stammen oder nicht, in Euro abgeführt werden. So ein Quatsch. Ohne GAIA gäbe es doch gar keine Umsätze und Gewinne und es gäbe erst recht keine Steuern. Und keine Arbeit, und keine Heilpraktikerin hier im Dorf. Möchte gar nicht wissen, wieviel Menschen mittlerweile hier im Ort völlig ohne Beschäftigung und Einkommen wären ohne gaia. Die Eurojobs werden ja immer rarer, weil hier niemand mehr investiert. Es heißt, die Verzinsung wäre einfach höher in Shanghai. Sowas, soll ich etwa nach Shanghai auswandern, weil es da Arbeit gibt? Naja. Vielleicht einigt sich die Stadt ja mit der GAIA-Bank ja drauf, dass Umsätze und Gewinne in gaia nur zur Hälfte in Euro versteuert werden müssen, wie in anderen Gemeinden auch. Oder komplett in GAIA bezahlt werden können wie in einigen Gebieten in England und Australien. Ist schon gut, dass es die GAIA-Bank gibt. So, nun noch schnell in den Bioladen bevor ich noch drei Stunden in die Arztpraxis muß. Am Bioladen wollte ich auch noch mal schauen, ob meine Werbung noch am GAIA-Brett hängt. Überhaupt hat sich der Bioladen zum GAIA-Zentrum hier im Ort entwickelt. Und er ist jetzt auch wieder wesentlich voller als noch vor zwei Jahren, was natürlich auch den umliegenden Biobauern zugute kommt.

 

Offensichtlich sind einige durch GAIA in die Puschen gekommen und haben ihre Talente zur Entfaltung gebracht, seit ihre potentielle Klientel über GAIA verfügt. Was es jetzt alles hier gibt im Dorf. Ich wußte bis vor kurzem gar nicht, dass Susanne eine ausgebildete Reikilehrerin ist. Und dass Karl so gut malen kann. Letztens habe ich mir ein Bild von ihm gekauft. Mein erstes Original überhaupt. Mit GAIA natürlich. Die raren Euro hätte ich dafür nicht übrig gehabt. Aber GAIA kann ich doch immer mehr verdienen. Da ist dann auch Kunst drin. Und ich hatte mich gewundert, warum das Bild doch relativ günstig war: Aber Karl bekommt ein GAIA-Grundeinkommen für Künstler. Das finde ich richtig toll. Seitdem immer mehr Künstler in den GAIA-kreis aufgenommen wurden, gibt es hier im Dorf wieder richtig Kultur. Konzerte ohne Eintritt und an den Wegen Skulpturen. Ja das hat mir die ganze Zeit über gefehlt. Jetzt ist sogar in der Diskussion, dass nach und nach alle Frauen eine Grundeinkommen in GAIA bekommen. So nach und nach. Erst einmal die Frauen mit vielen Kindern und diejenigen mit geringem Einkommen, aber schließlich sollen alle Frauen ein Grundeinkommen bekommen. Dann kann ich ja irgendwann diesen doofen Job in der Arztpraxis loswerden. So, jetzt habe ich alles erledigt, was ich einkaufen wollte. Jetzt aber in die Praxis und dann nach Hause und die Pizza in den Ofen geschoben. Tja, die Industriepizza schmeckt meiner Tochter am besten, wie sie sagt. Weiß der Teufel, was sie da alles reingetan haben. Stammt halt noch aus der Eurozeit, dass ich meine Tochter damit, als sie noch klein war, gefüttert habe. Jetzt hat sie sich an sie gewöhnt. Heute würde ich andere Pizza kaufen. Im Bioladen. Denn Geld habe ich ja nun wirklich mehr: GAIA!“